Wenn einer eine Reise tut
Shownotes
Wenn eine Badewanne kippt – ein Krankenhausbesuch in Malawi, der nachdenklich macht
Manchmal schreibt das Leben die Geschichten, die sich niemand ausdenken würde. In dieser Folge berichtet Annette direkt aus Malawi von einem Erlebnis, auf das sie und ihre Mutter gerne verzichtet hätten.
Was als entspannter Morgen begann, endete mit einer umkippenden Badewanne, einer Platzwunde am Hinterkopf und einem ungeplanten Besuch in einer Privatklinik. Dabei geht es nicht nur um den Schreckmoment selbst, sondern auch um die Erkenntnisse, die daraus entstanden sind.
Du erfährst: warum ein einfacher Krankenhausbesuch in Malawi vieles relativiert wie sich medizinische Versorgung von unserem deutschen System unterscheidet weshalb selbst scheinbar überschaubare Behandlungskosten für viele Menschen unerschwinglich sind was Dankbarkeit mit Perspektivwechsel zu tun hat warum Reisen manchmal die besten Lehrmeister sind
Eine sehr persönliche Folge über Glück im Unglück, kulturelle Unterschiede und die Frage, was für uns oft selbstverständlich geworden ist.
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00:00:00: Herzlich willkommen zur Folge forty-six und wahrscheinlich ist es dir schon aufgefallen.
00:00:06: Ohne Intrommusik!
00:00:09: Tja, das liegt daran dass ich in Malawi sitze und das Netz dieses Jahr so schlecht ist, dass es noch nicht mal hilft wenn ich an einem Hotel mit WLAN sitze?
00:00:20: Ich kann einfach das was in der Cloud abgespeichert ist – nicht herunterladen.
00:00:27: Deswegen gibt's diesmal weder ein Intro noch ein Outro.
00:00:32: Mir ist es ehrlich gesagt wichtiger, einzuhalten dass ich jeden zweiten Sonntag was poste und deswegen diesmal einfach die sagen wir mal improvisierte Version.
00:00:45: Ich kann dir sagen wenn einer eine Reise tut dann kann er etwas erzählen.
00:00:49: man könnte ja denken das ist ein total bescheuerter Spruch und auf diese Reise trifft es in einem Ausmaß zu das ich mir nicht hätte vorstellen können und ganz ehrlich ich hätte auch gern darauf verzichtet.
00:01:03: Ich habe sehr viel zu erzählen.
00:01:05: Für die ganzen nächsten Wochen, wenn ich monate, soviel haben wir in der einen Woche hier in Malawi erlebt und ich starte gleich mit dem was passiert ist am zweiten Morgen!
00:01:20: Ich hab ja gesagt dass der Vereinsvorstand nach Malawi geflogen ist und der besteht aus meiner Mutter Monika und mir.
00:01:28: Alles hat wunderbar geklappt.
00:01:29: Wir haben gepackt Hatten ziemlich viele Koffer dabei Viele Gummibärchen für die Kinder.
00:01:35: Und wir sind auch gut in Malawi angekommen, haben alles gut durch den Zoll gebracht einen wunderschönen ersten Abend hier im Hotel gehabt und am nächsten Morgen war der Fahrer schon bestellt und wir wollten an den See fahren.
00:01:50: Wir hatten ein echt schönes Zimmer im Hotel mit einer freistehenden Badewanne.
00:01:56: Was wir nicht gewusst haben ist dass dieses Ding nicht im Boden verankert war.
00:02:01: Na ja wer hätte das auch ahnen können?
00:02:03: Naja und dann hat sich meine Mutter auf den Rand der Badewanne gesetzt.
00:02:06: Ich glaub, um sich die Hose anzuziehen... ...und dann tönte ein gelnder Schrei durch unser Zimmer!
00:02:12: Ich bin vom unteren Stockwerk nach oben gerast.
00:02:15: Ja war ein Mesonettzimmer.
00:02:18: Denn jetzt stell dir mal folgendes vor Du setzt dich nichts an Auf einem Badewannenrand Und plötzlich kippt das gesamte Ding mit Dir um.
00:02:26: Genau das ist meiner Mutter passiert.
00:02:27: Die ganze Baderwanne kippte mit ihr um Und eins kann ich dir sagen Meine Mutter is alles nur kein schwergewicht.
00:02:34: Und dann ist der gegenüberliegende Rand der Badewanne ihr auf den Hinterkopf geknallt, ich glaube anders kann man es nicht sagen.
00:02:41: Du kannst dir vorstellen was meine Mutter für einen irrsinnigen Schreck gekriegt hat weil die hat gedacht dieses Ding erschlägt sie jetzt!
00:02:48: Das hat auch ganz schön geblutet.
00:02:51: und natürlich macht man sich dann um die eigene Mutter riesengroße Sorgen und denkt oh Gott und jetzt... Meine Stiefmutter Rose Und ich, wir haben ja auf die Beine geholfen.
00:03:02: Rose hat sich dann weiter gekümmert.
00:03:04: Ich bin wie von der Tarantel gestochen aus dem Zimmer raus Richtung Rezeption gerast Es war ja früh morgens und hab gesagt Wir brauchen Krankenwagen.
00:03:13: Nur das war da mal die erste Überraschung Denn so was gibt's da gar nicht.
00:03:16: Also in seltenen Fällen vielleicht schon für uns nicht.
00:03:19: Dann habe ich gesagt Wir brauchen sofort ein Erste-Hilfeset Ob die sowas hier nicht haben.
00:03:23: Das war dann interessant bestückt.
00:03:26: also es kam sofort Personal und hat geholft.
00:03:29: nur Naja, der Hit war es nicht.
00:03:33: Meine Mutter konnte Gott sei Dank auf beiden Beinen stehen.
00:03:36: wir haben dann mit vereinten Kräften dafür gesorgt dass wir in ein Taxi gestiegen sind und wir sind ins nächstgelegene Und dem Ruf nach den besten Krankenhaus in Malawi also in Lelongwe gewesen.
00:03:48: ich glaube im Blendeier soll's noch bessere geben eine Privatklinik.
00:03:55: Ich habe mir natürlich entsprechend Sorgen um meine Mutter gemacht.
00:03:59: Der Arzt hat so ein bisschen versucht, uns zu beruhigen.
00:04:04: Der war echt witzig der Typ!
00:04:05: Er meinte als erstes, naja sie ist ja noch am Leben.
00:04:10: und als wir dort ankamen hat man erstmal alle Vitalwerte überprüft also Blutdruck gemessen und Sauerstoff und so ein Zeug und da waren an der Seite In dem Raum war so ein Plakat gehangen, das war für Triage.
00:04:24: Also Grün war.
00:04:25: derjenige kann warten bis zu vier Stunden und dann kam natürlich Gelb und dann Orange und dann Rot und dann Blau.
00:04:32: Und Blau ist wenn der Patient schon tot im Krankenhaus ankommt.
00:04:36: Trotz allem musste ich da drüber ein bisschen schmunzeln.
00:04:40: Der Arzt hat dann gemeint naja schaut sich jetzt mal die Platzwunde an und dann gucken wir weiter.
00:04:45: Wir haben meine Mutter Röntgen lassen um zu sehen ob am Schädel irgendwas passiert ist Und dann wurde Blut abgenommen.
00:04:51: Das war auch so eine Geschichte.
00:04:54: Blutabnehmen nicht mit einem Teil, mit dem man den Arm abbindet?
00:04:58: Nein!
00:04:58: Es musste einen Einmalhandschuh herhalten und dann saßen wir da und haben echt lange gewartet bis das Zimmer bereit war in dem man sozusagen die Kopfwunde ein bisschen reinigen wollte um zu gucken ob es genäht werden musste.
00:05:14: Ich hab mich ja echt beim Anblick des Zimmers gefragt, was die da eigentlich gemacht haben.
00:05:18: Und dann haben sie eine Lampe geholt um da besser gucken zu können.
00:05:22: also wir reden jetzt nicht von so einem OP-Tisch wie in Deutschland sondern wir reden von einem Stuhl und die Lampe dahinter sah eigentlich aus wie ne bessere größere Schreibtischlampe.
00:05:32: Mich hat ihr beruhigt dass Sie ein sterile Set aufgemacht haben und der Arzt hat doch immer Handschuhe an.
00:05:37: Also ich hatte schon das Gefühl, dass wir bei dem in guten Händen waren.
00:05:41: er meinte dann na das ist Glück im Unglück und er müsse noch nicht mal was nähen.
00:05:49: Wir haben dann auch auf das Röntgenbild gewartet, das sah auch so aus dass meine Mutter sich den Schädeln nicht gebrochen hat dem Himmelsahrdank.
00:05:58: Und dann haben wir bezahlt.
00:06:01: Ja klar!
00:06:01: Wir haben eine Auslandskrankenversicherung.
00:06:04: Nur erstmal heißt sie ja selber in Vorleistung treten und dann bekommt man das Geld zurück minus einem Selbstbehalt.
00:06:14: Diese Rechnungen ging über vierhundertzwanzigtausend malawische Quatscher.
00:06:24: Jetzt kommt darauf an, mit welchem Kurs man das umrechnet.
00:06:26: wenn es der offizielle Kurs ist reden wir von ungefähr zweihundertzehn Euro.
00:06:31: Wenn man auf anderen Wegen tauscht, ist es nur ein Viertel des Ganzen also hundertfünf Euro.
00:06:39: Wir haben es normal mit Kreditkarte bezahlt also zweihundahrzehn euro.
00:06:45: Ja!
00:06:45: Das ist Geld.
00:06:46: und gleichzeitig sagen wir natürlich in Deutschland naja PINATS.
00:06:52: Ich habe dann die Rose angeschaut und die Rose hat mich angeschault.
00:06:55: Und ich hab sie gefragt, sag mal Rose!
00:06:58: Wie ist denn das wenn jemand hier von den Einheimischen verunglückt?
00:07:02: Dann sagt sie Annette, das kann sich hier kaum jemand leisten.
00:07:07: Also ja es gibt sicherlich auch wohlhabende oder reiche Malawia.
00:07:14: Das sind wahrscheinlich nicht so wahnsinnig viele Wenn man ansonsten durchs Land fährt und guckt wie die Menschen so leben Weil die leben ja sehr, sehr einfach.
00:07:27: Und ich habe mich wirklich gefragt... Also wir reden davon da wurde eine Wunde verbunden, da wurde Blut abgenommen, da wurden Vitalwerte gecheckt Da gab es einen Arztbrief im Anschluss und es gab ein einfaches Röntgenbild.
00:07:44: Das ist mehr als ein Monatslohn in Malawi.
00:07:50: Mich hatte schon ne ganze Ecke weiter schreckt weil ich so gedacht hab Ja für uns Europäer mit unserem tollen Wechselkurs Da ist das was da drüber mache ich mir keine Sorgen.
00:08:00: Ich habe auch zu dem Arzt sofort gesagt, ich möchte dass ein Röntgenbild gemacht wird.
00:08:04: Das ist mir völlig egal was es kostet!
00:08:06: Ich will, dass wir das checken ob da alles in Ordnung ist.
00:08:11: meine Mutter ist ja keine Fünfzig mehr sondern einfach schon ein bisschen darüber.
00:08:15: und diese Geschichte mit dieser Badewanne?
00:08:17: ich mein Gott sei Dank war das Ding aus Acryl oder Auch nicht Gott sei dank weil wäre es wirklich stabil gewesen oder verankert werde es alles nicht passiert.
00:08:25: also hätten uns gern gespart.
00:08:28: Das ist ja schon mit Wucht auf ihren Hinterkopf geknallt und mir war das wurscht, was das Röntgenbild kostet.
00:08:34: Ich habe ja den tollen Wechselkurs!
00:08:37: Wie muss ich es für einen Einheimischen anfühlen?
00:08:41: Und was für ein unfassbares Glück haben wir in Deutschland, ein so gutes Gesundheitssystem zu haben?
00:08:47: Ja, ja, ist mir schon klar, ist nicht alles toll bei uns – das weiß ich – hab' ich mit meinem Bandscheibenvorfall gerade erst selber miterlebt.
00:08:57: Wir haben ein Gesundheitssystem Wir sind versichert.
00:09:01: Ich hab dann die Rose gefragt, sag mal, Rose wie ist das eigentlich hier mit der Gesundheitsversorgung?
00:09:05: Sagt sie naja Annette es gibt halt eine gesetzliche Gesundheitsversorgen.
00:09:10: wir hätten auch ins Camus so Hospital gehen können.
00:09:14: Das ist ein Government-Hospital.
00:09:16: da hätte man wahrscheinlich ellendiglich lang gewartet und ich möchte doch ehrlich gesagt nicht wissen wie das ausgesehen hatte.
00:09:25: Wir konnten jetzt in ne Private Klinik gehen Und Rose sagt ja ja es gibt schon Versicherungen nur Die kann sich kaum einer leisten.
00:09:34: Und dann habe ich sie gefragt, ja du Rose und wie ist jetzt das wenn dann jemand in der Familie krank wird?
00:09:41: Na sagt sie, dann legen alle zusammen.
00:09:43: Alle miteinander versuchen das Geld zusammenzukriegen damit ihr jenig ins Krankenhaus gehen kann.
00:09:54: Mir ist da schon ein bisschen kalten Rücken runter gelaufen.
00:09:58: Rose hat auch erzählt letztlich gab es einen Kind, dass hatte nachts den Asthma-Anfall.
00:10:03: mit dem mussten Sie denn in Chintegins Krankenhaus Und das glaubt mir, das willst du überhaupt nicht sehen dieses Krankenhaus.
00:10:09: Weil es sportet jeder Beschreibung also zumindest nach europäischen Maßstaben.
00:10:14: Gott sei Dank konnten sie das Kind trotzdem retten.
00:10:16: Es war Cortison vorhanden.
00:10:21: Ja so mir hat es sehr zu Denken gegeben Auf unterschiedlichen Ebenen.
00:10:26: Ich habe noch mal mehr verstanden.
00:10:28: Wie geht's in Malawi zu?
00:10:29: Denn bis dato hatte ich ja nur dann Kontakt mit Krankenhäusern wenn es um irgendwelche Corona-Tests ging, weil ich wieder nach Hause fliegen wollte und ich das gebraucht habe.
00:10:39: Ansonsten hatte ich mit einem malawischen Krankenhaus noch keinen Kontakt und jetzt hatte ich die Gelegenheit auszuprobieren.
00:10:47: Das hab' ich jetzt gemacht, muss ich ehrlich gesagt nicht nochmal haben.
00:10:50: Wir hatten ganz viel Glück, dass es gut ausgegangen ist Und ich freue mich über unser deutsches System!
00:11:00: Wie schön ist es, dass wir Krankenversicherungen haben?
00:11:06: Dass wir gut versorgt sind wenn vielleicht nicht mehr ideal.
00:11:10: und wir sind gut versorgt.
00:11:12: Und gleichzeitig sage ich auch, es war ein Erlebnis!
00:11:16: Ich habe ganz viele Fotos von meiner Mutter gemacht.
00:11:18: die kann sie jetzt im Nachhinein allen ihren Freunden zeigen und sagen, ich hatte einen African Adventure auf das ich gern verzichtet hätte und ich hab jetzt was zu erzählen.
00:11:29: Und den Arzt?
00:11:30: Den fand ich echt cool weil der hat so viel Ruhe ausgestrahlt.
00:11:36: Das war richtig gut wie er das gemacht hat.
00:11:40: Damit schließe ich meinen heutigen Bericht.
00:11:43: Übrigens, meiner Mutter geht es den Umständen entsprechend gut!
00:11:46: Sie wird sich sicherlich wieder ganz erholen.
00:11:50: Lass es dir gut gehen.
00:11:53: vielleicht bist du jetzt auch ein kleines bisschen dankbarer für unser deutsches System und wir hören uns in zwei Wochen dann wieder mit Intro denn bis dahin bin ich in Deutschland wieder zurück Und Ich hab noch so viel zu erzählen Von Lebensmittelpreisen von einer Autopanne denn mit unseren afrikanischen Abenteuern ging es gleich munter weiter bis hin zu einer vorgezogenen Abschlussfeier bei uns an der Schule, bei der ich eine kurze Rede halten sollte und gleich ganz berührt war.
00:12:31: Ich freue mich wenn du in zwei Wochen wieder dabei bist.
00:12:33: lass es dir bis dahin gut gehen!
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